Das war kein Angriff. Das war eine Agenda.

Kennst du das? Du sprichst sachlich über Zahlen, Verantwortung oder Ziele und plötzlich fühlt sich jemand persönlich angegriffen. Warum Klarheit oft als „zu hart“ wahrgenommen wird und weshalb Frauen in Führung lernen dürfen, bei Fakten zu bleiben, statt Drama zu moderieren.
Das war kein Angriff. Das war eine Agenda

Wenn Fakten plötzlich persönlich werden

Manchmal frage ich mich wirklich, wann genau in Meetings beschlossen wurde, dass Zahlen Gefühle haben. 😅

Du öffnest eine Auswertung.
Du sprichst über Ziele, Verantwortung, Abläufe oder Ergebnisse.

Und plötzlich sitzt dir jemand gegenüber, als hättest du gerade persönlich seine Existenz beleidigt.

Dabei dachtest du eigentlich: Wir planen ein Meeting, nicht den Weltuntergang.

Ich glaube, viele Frauen in Führung kennen genau diese Situationen.

  • Du sprichst Klartext und wirst als „zu direkt“ wahrgenommen.
  • Du stellst Fragen und plötzlich giltst du als anstrengend.
  • Du bringst Fakten auf den Tisch und irgendwer fühlt sich emotional angegriffen, obwohl du einfach nur deinen Job machst.

 

Und irgendwann beginnt man dann, sich selbst zu hinterfragen.

  • War ich zu klar?
  • Zu direkt?
  • Zu streng?
  • Hätte ich es weicher formulieren sollen?

 

Interessant ist nur:
Männer stellen oft dieselben Fragen und gelten als durchsetzungsstark. Frauen dagegen bekommen schneller das Etikett „schwierig“.

Willkommen im ganz normalen Führungsalltag. 😉

Ich habe früher oft versucht, Dinge abzuschwächen. Freundlicher zu formulieren, mich länger zu erklären und mehr Verständnis zu zeigen. Bloß niemanden triggern. Bloß nicht „zu auffallend“ sein.

Das Problem daran?

Du verlierst irgendwann deine Klarheit, weil du ständig damit beschäftigt bist, die Emotionen anderer zu moderieren.

Meeresschildkröte statt Gämse

Früher bin ich übrigens oft sofort innerlich mitgesprungen, wenn mir jemand emotional entgegengekommen ist. Zack, Rechtfertigung, Erklären, Energie hochfahren. Am liebsten sofort zurückschießen.

Heute merke ich das viel schneller.

Wenn jemand plötzlich explosiv wird, stoppe ich mich zuerst selbst. (Funktioniert nicht immer. Aber immer öfter. 😉)

Ich atme einmal durch und frage mich innerlich:

  • Was empfindet mein Gegenüber gerade eigentlich wirklich?
  • Wo fühlt er sich getroffen?
  • Warum reagiert jemand auf eine sachliche Frage so emotional?

 

Das kann natürlich auch eine Frau sein, wobei ich fairerweise sagen muss:
Nachdem ich seit Jahren hauptsächlich mit Männern in Meetings sitze, ist mein „er“ im Kopf mittlerweile fast schon automatische Betriebseinstellung geworden. 😅

Und genau dort beginnt oft die eigentliche Führung.

Nicht im Reagieren, sondern im Nicht-sofort-Reagieren.

In meiner Coachingausbildung bin ich über das 5-Tiere-Schema von Matthias Varga von Kibéd gestolpert und dieses Schema ist bei mir hängen geblieben.

Da gibt es unter anderem die Meeresschildkröte. Die Meeresschildkröte ruht ruhig in ihrer Mitte und schaut erst einmal. Kein hektisches Zurückspringen, kein sofortiges Reagieren, einfach beobachten.

Und genau das versuche ich heute in solchen Situationen.

Denn mein inneres Tier wäre eher die Gämse. Die springt sofort von Fels zu Fels, analysiert, argumentiert, reagiert, plant innerlich schon die nächsten fünf Schritte und hat praktisch bereits die komplette PowerPoint fertig. 😉

Heute denke ich deshalb zuerst:

Meeresschildkröte.

Kurz ruhig bleiben, durchatmen, nicht jede Emotion sofort persönlich nehmen. Nicht jede Spannung sofort lösen wollen.

Denn oft reagieren Menschen nicht auf den aktuellen Satz. Sie reagieren auf Druck, Unsicherheit, Überforderung oder etwas, das viel älter ist als dieses Meeting.

Klarheit ist keine Härte

Heute sehe ich vieles anders.

  • Nicht jede Zahl greift ein Ego an.
  • Nicht jede Rückfrage ist ein Angriff.
  • Und sachlich ist auch nicht unfreundlich.

 

Manchmal sind Fakten einfach nur Fakten.

Natürlich geht es nicht darum, kalt oder respektlos zu werden. Führung ohne Menschlichkeit funktioniert genauso wenig wie Harmonie um jeden Preis. Aber wir dürfen endlich aufhören, Klarheit automatisch mit Härte zu verwechseln.

Denn genau dort verlieren viele Frauen ihre Wirkung.

Nicht weil sie zu wenig können, sondern weil sie permanent versuchen, gleichzeitig kompetent, empathisch, angenehm, verständnisvoll und bloß nicht unbequem zu wirken.

Spoiler:
Das ist ein Vollzeitjob und zwar zusätzlich zum eigentlichen Job. 😄

Genau deshalb schreibe ich in meinem Buch auch über solche Situationen. Über diese kleinen Machtspiele im Alltag. Über Meetings, in denen plötzlich mehr Ego als Inhalt im Raum ist. Über Frauen, die gelernt haben, sich kleiner zu machen, damit sich andere größer fühlen können.

Und über den Moment, in dem man beschließt:
Ich bleibe bei Fakten. Aus, Ende.

Mit Herz, mit Haltung und auch Humor.

Denn Führung bedeutet nicht, jede emotionale Reaktion anderer Menschen zu managen.

Manchmal bedeutet Führung einfach, ruhig sitzen zu bleiben, die Agenda aufzuschlagen und sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen, nur weil jemand auf eine Excel-Tabelle reagiert, als hätte sie seine Seele beleidigt. 😅

Und genau darin liegt übrigens eine echte Stärke.

Klare Frauen verschwenden weniger Energie mit Spielchen. Sie sprechen Dinge an, bevor daraus monatelang Konflikte werden. Sie schaffen Orientierung, Entscheidungen und Verantwortung.

Menschen wissen bei ihnen, woran sie sind.

Führung bedeutet nicht, alles permanent emotional weich zu verpacken. Führung bedeutet, ehrlich zu sein, Klarheit auszuhalten und Probleme anzusprechen, bevor sie größer werden.

Genau das macht Teams langfristig stärker. Auch wenn es im ersten Moment nicht immer bequem ist.

 

 

 

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