
Frauen in Führung: Warum ich „Schluss mit nett – Führung braucht Eierstöcke!“ geschrieben habe
Ein persönlicher Einblick für alle Frauen in Führung, die klarer, mutiger und authentischer führen möchten.
Warum Schluss mit Nett?
Mit „Nett sein“ ist nicht Freundlichkeit gemeint, nicht Respekt und auch nicht Wertschätzung.
Das ist die Basis jeder guten Führungskraft. Darüber müssen wir nicht diskutieren.
Mit „nett sein“ ist dieses feine Ausweichen gemeint, das sich so harmlos anfühlt und
gleichzeitig so viel Wirkung kostet. Dieses Zurücknehmen, dieses Weichmachen, dieses
ständige Abwägen, damit es für alle irgendwie passt.
Gerade viele Frauen in Führung kennen genau diesen Punkt.
Genau dort beginnt das Problem.
Denn in dem Moment, in dem du versuchst, es für alle angenehm zu machen, verlierst du
deine Linie. Und ohne diese Linie gibt es keine Führung, sondern nur Abstimmung, Schleifen
und Gespräche, die sich im Kreis drehen.
Das fühlt sich oft nicht falsch an, im Gegenteil. Es wirkt ruhig, kontrolliert und professionell.
Es vermeidet Reibung, hält die Stimmung stabil und gibt das Gefühl, alles im Griff zu haben.
Bis man genauer hinschaut.
Dann sieht man, dass Entscheidungen zu lange brauchen. Dass Dinge unausgesprochen
bleiben. Dass Themen immer wieder aufpoppen, weil sie nie wirklich geklärt wurden.
Und genau das kostet Energie. Jeden Tag ein bisschen.
Führung bedeutet nicht, dass es sich für alle gut anfühlt.
Führung bedeutet, dass Orientierung entsteht.
Und genau das ist eine der wichtigsten Aufgaben, wenn du Mitarbeiter führst.
Orientierung hat nichts mit Lautstärke zu tun. Sie entsteht aus einer inneren Entscheidung
heraus. Aus dem Punkt, an dem du für dich weißt, was richtig ist und das auch aussprichst,
ohne es weich zu machen oder zu relativieren.
Das heißt nicht, dass du Menschen im Regen stehen lässt.
Menschen brauchen Orientierung im Arbeitsalltag. Sie wollen verstehen, woran sie sind, was
gilt und in welche Richtung es geht. Aber sie brauchen keine endlosen Erklärungen, sie
brauchen eine klare Richtung.
Und genau da liegt der Unterschied.
Erklärst du, um Orientierung zu geben?
Oder erklärst du, weil du hoffst, dass es dann besser angenommen wird?
Das spürt man sofort.
Wenn hinter einer Entscheidung eine innere Sicherheit steht, reichen oft wenige Sätze.
Ruhig gesprochen, ohne Druck, ohne Rechtfertigung, aber mit Haltung. Was entschieden ist.
Warum es entschieden ist. Und was jetzt gilt.
Das schafft mehr Ruhe im Team als jede noch so gut gemeinte, lange Erklärung.
Viele glauben, Harmonie wäre ein Zeichen von guter Führung. In Wahrheit ist sie oft nur ein
Zeichen dafür, dass Entscheidungen aufgeschoben werden.
Denn echte Konsequenz kann im ersten Moment unbequem sein. Sie bringt Dinge auf den
Punkt, die man vielleicht lieber noch etwas offen gelassen hätte. Aber genau das sorgt
langfristig für Stabilität im Team. Mitarbeiter wissen, woran sie sind, Erwartungen sind klar, Entscheidungen stehen.
Und plötzlich wird es ruhiger. Und zwar deshalb, weil jeder weiß was Sache ist.
Du bist nicht dafür da, dass sich alle gut fühlen.
Du bist dafür da, dass sich etwas bewegt.
Und das ist die eigentliche Aufgabe moderner Führung.
Gerade für Frauen in Führung liegt hier oft der entscheidende Hebel. Nicht mehr anpassen, nicht mehr ausweichen, sondern die eigene Linie halten. Freundlich zu sein und klar zu sein schließt sich nicht aus, im Gegenteil. Genau in dieser Kombination entsteht echte Führungsstärke.
Aber dafür braucht es Standfestigkeit.
Die Bereitschaft, bei deiner Linie zu bleiben, auch wenn es kurz unruhig wird.
Die Fähigkeit, Dinge auszusprechen, ohne sie zu verpacken.
Und das Vertrauen darauf, dass eine saubere Haltung mehr trägt als jede noch so gut gemeinte Anpassung.
Denn genau in dem Moment, in dem du aufhörst, es allen recht zu machen, beginnst du wirklich zu führen.
Sag was du wirklich meinst, ohne Verpackung
Für die nächsten sieben Tage achtest du auf genau einen Punkt:
Wenn du merkst, dass du gerade:
dann stopp kurz.
Wiederhole deinen Satz noch einmal, reduziert auf das Wesentliche!
Statt: „Ich müsste noch schauen, ob das passt…“
→ „das passt für mich nicht“
Statt: „Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube…“
→„das ist meine Einschätzung“
Erkläre nur, wenn es Orientierung gibt, nicht um dich abzusichern.
Und dann beobachte:
Du muss nicht perfekt sein und du musst auch nicht jedes Gespräch plötzlich souverän meistern.
Es reicht völlig, wenn du beginnst zu bemerken, wie oft du dich selbst weich machst, obwohl innerlich
längst klar ist, was du eigentlich sagen möchtest.
Genau dort beginnt Veränderung.
Und wahrscheinlich wird es sich am Anfang ungewohnt anfühlen.
Das gehört dazu!
PS: In meinem Buch Schluss mit Nett. Führung braucht Eierstöcke
geht es genau um diese Fragen: weibliche Führung, innere Haltung,
Klarheit und darum, warum Anpassung Frauen oft mehr Kraft kostet als jedes ehrliche Gespräch.
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2 Kommentare
Der Satz mit der Harmonie hat mich erwischt. Ich hab lange geglaubt, wenn es ruhig ist im Team, mach ich alles richtig. Dass die Ruhe manchmal einfach bedeutet, dass nichts geklärt wird – das ist unbequem, aber wahr.
Danke für deine Rückmeldung liebe Anna. Ja Ruhe ist nicht immer Ruhe. Manchmal spürt man, dass da mehr ist, aber man möchte noch nicht hinsehen. Manchmal benutzt man es auch als angenehme Ausrede: „Sollen sie doch was sagen, wenn sie was wollen“ 😉 Besser ist es jedoch einfach nachzufragen, wenn man als Führungskraft bemerkt, dass da was ist. So kann man schneller etwas aus dem Weg räumen, bevor es ganz groß wird.